Wir reden mit Gartenarchitekt Jochen Gempp über die perfekte Gartenplanung mit Stauraum, Sonnenschutz, Terrassenmöbeln und rechtlichen Vorgaben.
In Kürze
Schnapp dir einen Klappstuhl und setz dich in deinen Garten. Am besten an verschiedenen Stellen und zu unterschiedlichen Tageszeiten. Wo fühlst du dich wohl? An welcher Stelle kommt die Abendsonne? Von wo ist der Blick auf Haus und Umgebung am schönsten? Wo kann der Nachbar dich nicht sehen? Aber natürlich auch: Was stört dich? Was vermisst du? Daraus entsteht eine Wunschliste. Die nimmst du dann mit zum Planer.
So früh wie möglich. Mein Team und ich gehen sogar so weit, dass wir bei der Hausplanung mitreden wollen – vor allem bei der Frage: Wo steht das Haus auf dem Grundstück? Wenn wir an Wohnraum denken, spielt meist das Haus die erste Geige, der Garten ergänzt nur. Dabei ist es so wichtig, das Gebäude von Anfang an in die Gartenplanung einzubeziehen.
Deshalb sollte der Blick – die Sichtachsen – aus den einzelnen Räumen in den Garten unbedingt in die Planung einfließen. Genauso wichtig sind die technischen Schnittstellen: Frischwasser, Entwässerung, Sanitär und Elektrik müssen frühzeitig mitgedacht werden. Sonst wird es später teuer – oder die Umsetzung ist kaum noch möglich, weil ich mit dem Bagger nicht mehr am Haus vorbeikomme.
Mir fehlt beim Selbermachen ein klarer Fahrplan. Genau den bekomme ich durch eine professionelle Planung. Ein Planer stellt sicher, dass ausreichend Leitungen für die gesamte Beleuchtung vorhanden sind, dass die Anzahl der Wasseranschlüsse passt und ich später nichts wieder aufreißen muss, nur weil mir noch etwas eingefallen ist. Auch vor rechtlichen Fehlern bewahrt mich der Planer.
Es sind sehr viele Vorgaben – und sie sind in jedem Bundesland anders. Da gibt es etliche Fallgruben. Welchen Bodenbelag darf ich verwenden? Wie muss er aufgebaut sein, damit er wasserdurchlässig ist? Gibt es Vorgaben zu Baufenster oder Aufschüttungen? Wie hoch dürfen Hecken sein? Wie nah darf ich einen Baum an die Grundstücksgrenze pflanzen? Es ist nahezu alles reglementiert. Was viele nicht wissen: Selbst eine Müllbox im Vorgarten ist in vielen Bundesländern nicht ohne Weiteres erlaubt.
Früher war das entspannt. Seit den letzten zehn Jahren ist das Amt rigoros. Mittlerweile wird mit Luftbildern gearbeitet, da muss niemand mehr in den Garten kommen. Und selbst wenn die Behörden es nicht mitbekommen: Der Nachbar kann einen immer noch anschwärzen. Dann müssen Bauherren ihre Terrasse zurückbauen oder ihren Pool oder Koiteich wieder zuschütten. So etwas verbrät viel Geld. Ich erinnere mich an einen Fall, bei dem ein Bauherr 20.000 Euro Strafe zahlen musste, weil er einen einzelnen Baum gefällt hat. Ein Fachmann verhindert solche Fehler.
Von solch einer Planung halte ich nicht besonders viel. Diese Lockangebote suggerieren, dass eine Skizze eine Gartenplanung ist. Eine Skizze ist lediglich eine erste Ideenfindung – sie zeigt, wo die Terrasse liegt und wo etwas Grün vorgesehen ist. Eine Gartenplanung ist ein komplexes Konstrukt.
Die Bezeichnung „Gartenplaner“ ist kein geschützter Begriff – genauso wenig wie „Gestalter“. „Gartenarchitekt“ oder „Landschaftsarchitekt“ hingegen dürfen sich nur Leute nennen, die in der Architektenkammer eingetragen sind. Das sorgt für eine gewisse Qualitätssicherung. Also am besten vorab prüfen: Besitzt derjenige die nötige Expertise, um meine Wünsche umzusetzen?
Welche Fragen stellt mir der Planer? Die wichtigste Aufgabe eines Gartenarchitekten ist es, einen Garten zu gestalten, der zu dir passt. Ein Garten ist wie ein Maßanzug. Wenn ich die Maße nicht nehme, kann ich keinen Maßanzug schneidern. Dafür muss ich viele, viele Fragen stellen. Meine Kunden erhalten von mir einen Fragenkatalog mit rund 600 Punkten. Der fängt bei grundlegenden Fragen an. Ich möchte wissen, ob Sie lieber einen geradlinigen, verwunschenen oder wild romantischen Garten mögen. Ich frage aber auch nach kleinteiligen Dingen – wie der Lichtfarbe.
Das ist nicht das kleine Einmaleins – das ist eher das große. Eine Faustregel gibt es nicht. Das ist ein bisschen wie beim Kindergroßziehen: Es gibt viele Ratgeber, alle sind unterschiedlich und die wenigsten sind genau passend zur eigenen Situation. Was einen guten Garten ausmacht, ist eben immer individuell. Wir haben schon eine alte Lokomotive in einen Garten gesetzt, weil der Bauherr ein großer Lokomotiven-Fan war.
Ich sage immer, ein guter Garten ist nur ein guter Garten, wenn er genutzt wird. Dafür brauche ich die richtigen Möbel. Will ich draußen kochen und essen, brauche ich eine Outdoor-Küche und eine Tischgruppe. Die sollten im Idealfall nicht direkt vor einem bodentiefen Fenster stehen, weil ich sonst den Ausblick in den Garten verliere. Will ich gemütlich sitzen, brauche ich einen Loungebereich. Nach und nach ergeben sich Themengruppen und daraus leite ich die Bereiche ab. Die sollte ich möglichst früh festlegen und im Garten verteilen. Sonst habe ich am Ende eine große Terrasse, auf der alles aneinandergereiht ist, und im Rest des Gartens passiert nichts mehr. Ebenfalls wichtig ist Sichtschutz.
Mit einer 1,80 Meter hohen Hecke oder einem schlanken Bäumchen an der Grundstücksgrenze ist es meist nicht getan. In Neubaugebieten habe ich viele Nachbarn und noch mehr Fenster. Ich brauche deshalb auch in den oberen und hinteren Ebenen meines Gartens Sichtschutz. Wenn ich einen dachförmigen Baum etwas tiefer in mein Grundstück hineinsetze, schaffe ich einen mehrfach gegliederten Sichtschutz.
Ja! Ich finde, es gibt nichts Schlimmeres, als jeden Abend die Kissen von den Loungemöbeln ins Haus schleppen zu müssen.
Die ist genauso wichtig! Ich bin ein großer Freund von Lichtszenarien, die zu unterschiedlichen Tageszeiten und Situationen passen. Ich brauche Sicherheitsbeleuchtung, um Treppen und Wege auszuleuchten, gedimmtes Licht für gemütliche Abende im Garten und Licht, das die Natur draußen in Szene setzt, wenn ich im Haus bin. Gerade in der dunklen Jahreszeit möchte ich beim Blick nach draußen nicht in ein schwarzes Loch schauen. Oft reicht es schon, einzelne Bäume gezielt anzuleuchten. Das schafft Tiefenwirkung.
„Pflegeleicht“ ist fast immer das erste Wort, das fällt, wenn ich mit Kunden über die Bepflanzung spreche. Wie viel Aufwand mein Garten verursacht, hängt viel damit zusammen, wie ich die Fläche aufteile. Ein Rasen beispielsweise ist aufwendig. Gießen, düngen, vertikutieren. Wirklich pflegeleicht sind Staudenbeete. Über die muss ich nur ein- bis zweimal im Jahr mit der Gartenschere gehen. Offener Boden ist eine Einladung für Unkraut. Bodendecker halten das Unkraut fern, weil sie den anderen Keimlingen die Sonne stehlen. Weniger Arbeit entsteht nicht durch weniger Garten, sondern durch die richtige Gestaltung.
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